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Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Themen die das Alte Testament betreffen könnt ihr hier diskutieren.

Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon Kim M. » 5. Februar 2012 00:57

SK35483 hat geschrieben:Ich bin überzeugt davon, dass wenn ein Mann und eine Frau sich aufrichtig lieben und es nicht aus Betrug (Ehebruch) hervor ging, Gott seinen Segen dazu geben wird, völlig unabhängig von irgendwelchen Genen.

Dass dann Inzest erlaubt sei ? Oder missverstehe ich das jetzt ?
Psalm 146, 1-10; Schlachter 2000
Psalm 40, 1-4; Schlachter 2000

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Wohl dem, der das beste nicht verlor, im Kampf des Lebens, den Humor. (dt. Sprichwort)
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon Love » 5. Februar 2012 01:02

Kim M. hat geschrieben:
SK35483 hat geschrieben:Ich bin überzeugt davon, dass wenn ein Mann und eine Frau sich aufrichtig lieben und es nicht aus Betrug (Ehebruch) hervor ging, Gott seinen Segen dazu geben wird, völlig unabhängig von irgendwelchen Genen.

Dass dann Inzest erlaubt sei ? Oder missverstehe ich das jetzt ?


Es war kein Inzest, sondern von Gott geplant und NOTWENDIG.

Und da der Ursprung nur 1 Menschenpaar war sind wir ALLE Nachkommen von Adam und Eva nach unserer heutigen Auffassung aus Inzest entstanden.
Diese aber, wie unvernünftige Tiere von Natur zum Fang und Verderben geboren, lästern über das, was sie nicht verstehen, und werden in ihrer Verdorbenheit umkommen, 2. Petrus 2.12
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon Kim M. » 5. Februar 2012 01:05

Das ist mir schon klar. Es interessiert mich, wie er es sieht. Und zwar für die heutige Zeit oder von mir aus -um in seinem Kontext zu bleiben- zur Zeit des mosaischen Gesetzes.
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon SK35483 » 5. Februar 2012 01:36

Hallo Kim,

ich bräuchte da jetzt kein eigenes Thema. Weder das Problem des Inzests noch das der Homosexualität betrifft mich praktisch. Wohl aber habe auch ich als Mann hin und wieder mit der Lust im Allgemeinen zu kämpfen. Dazu gibt es aber schon das ein oder andere Thema.

Meine Aussagen zur Homosexualität waren ja nur eine Reaktion auf deinen Vorwurf an mich, durch das Beispiel zu untermauern, dass ich das Gesetz aufweichen wolle. Tatsächlich will ich es ja in keinster Weise aufweichen, sondern verschiebe nur die Schwerpunkte von einem biologischen Verständnis (oder wie sollte ich das jetzt formulieren ?) zu einem mehr geistigen und sozialen Verständnis, was zudem zu ALLEN Zeiten Gültigkeit hatte, und nicht erst nur seit der Gesetzgebung für Israel. Bei dem rein biologischen Verständnis wäre das nämlich unmöglich, was ja die eigentliche abgezielte Frage des Threaderstellers war, wenn ich da richtig zwischen den Zeilen gelesen habe ;)

Wie schon gesagt, betrifft mich Inzest sowieso nicht, und auch für mich war das althergebrachte biblische Verständnis dazu selbstverständlich. Ein ernsthaftes Problem bekam ich mit diesem Verständnis erst, als ich mir zum x-ten mal die Geschichte von Amnon und Tamar (2. Samuel 13,) durchlas. Dort, so scheint es, wird Amnon als der Böse hingestellt und Tamar als das arme unschuldige Opfer. Nun kann man ihre Rollen natürlich nicht einfach vertauschen, denn es ist sehr viel subtiler.

Amnon wird bezeugt, dass er Tamar von Herzen aufrichtig liebte. Nicht nur das. Sein Freund Jonadab half ihm in der Sache und diesem wiederum wird Klugheit/Weisheit bezeugt, was nicht zu verwechseln ist mit der boshaftigen Listigkeit der Schlange aus dem Paradies.
Tamar hingegen wird nur bezeugt, dass sie schön war. Abigail wiederum wird nicht nur Schönheit bezeugt, sondern auch Klugheit (2. Samuel 25, 3).
Als Amnon Tamar seine Gefühle zeigte, verschmähte sie ihn, mit dem Hinweis, dass so etwas in Israel schändlich wäre. Tatsächlich halte ich das für einen vorgeschobenen Grund, der auch noch auf einem Irrtum basierte. Tamar wird zwar als Schwester Amnons bezeichnet, jedoch war sie nicht die Tochter seines Vaters oder seiner Mutter, sondern die Tochter seines Bruders, wir würden also Nichte sagen.
Vielleicht gefiel ihr Amnon einfach nicht oder aber sie hat das Gesetz nicht gut genug studiert. Würde dazu passen, dass ihr keine Klugheit zugeschrieben wurde. Amnon sagte zwar nichts, aber er merkte, dass sie nicht aufrichtig war, weswegen er nicht nur zornig wurde, sondern sie von nun an mit noch mehr Kraft hasste als er sie vorher liebte.
Gerechtfertigt wird Amnon damit zwar nicht, aber die Reaktion ist durchaus verständlicher, und man kommt in dem Fall auch ohne damit aus, ihm von Anfang an unlautere Absicht unterstellen zu wollen, denn der Text gibt es einfach nicht her, dass er nur aus Lust handelte.

Beide haben falsch gehandelt, ich will niemanden entschuldigen, aber die Ursache der Tragik war nicht in Amnon, dem aufrichtige Liebe bezeugt wurde, sondern lag in der Falschheit Tamars, die nicht ohne Grund einsam blieb.

Ich denke, dieses Beispiel mit Amnon und Tamar soll uns zeigen, wohin ein falsches und unvollständiges Wissen über Gottes Gesetz führen kann, denn zu unserer Unterhaltung oder Empörung soll sie ja wohl kaum dienen, sondern dass wir was daraus lernen.


Gruß, Sven
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon Love » 5. Februar 2012 02:12

Das Mosaische Gesetz, sofern es von Gott stammt, ist völlig unrelevant für das Thema "Inzest".

Denn es gibt kein zurück mehr, es kann sich nichts mehr ändern, die ganze Menschheit ist von der 1. Stunde an -wie man es heute betitelt- aus Inzucht entstanden.

Wir sind von Grund auf alle miteinander verwandt.

Das einzige was heute möglich ist, dass man die sogenannte Inzucht nicht weiter verstärkt.
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon Magdalena61 » 5. Februar 2012 08:12

Love hat geschrieben:Ein Mensch mit einem gesunden Gehirn, der über einen logischen Verstand verfügt erkennt, dass die Menschheit nicht vom Affen abstammen kann, weil die Affen schlicht und ergreifend noch da sind.
* 8) * Logisch. Und bei denen verändert sich auch nichts.
Love hat geschrieben:Das Mosaische Gesetz, sofern es von Gott stammt, ist völlig unrelevant für das Thema "Inzest".
Und warum?
Bevor den Israeliten das Gesetz gegeben wurde und somit in Kraft trat, gab es diese Einschränkung nicht. Folglich war es keine Sünde, wenn Geschwister oder Halbgeschwister heirateten und Nachkommen zeugten.

Den Begriff "Inzest" auf die Nachkommen von Adam und Eva anzuwenden finde ich ziemlich respektlos.
Klar hat Kain irgendeine Verwandte geheiratet. Es steht ja nicht da, WANN er das getan hat. Adam und Eva hatten weit mehr Kinder als die drei namentlich genannten Söhne. Möglicherweise war die Frau von Kain eine Cousine von ihm, oder eine Nichte... aber selbst, wenn er ein Mädchen aus seiner eigenen Generation und Herkunftsfamilie geheiratet hatte, eine direkte Schwester, so wäre das auch in Ordnung gewesen.
SK35483 hat geschrieben:Tamar wird zwar als Schwester Amnons bezeichnet, jedoch war sie nicht die Tochter seines Vaters oder seiner Mutter, sondern die Tochter seines Bruders, wir würden also Nichte sagen.
Hallo SK35483, ich mache mal ein neues Thema dazu auf.
LG
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Re: Die Nachkommen Kains (1Mose4,17ff.)

Beitragvon SK35483 » 5. Februar 2012 09:05

Kim M. hat geschrieben:Dass dann Inzest erlaubt sei ? Oder missverstehe ich das jetzt ?

Nein, sondern, dass die Fragestellung so nicht ganz korrekt ist. Verboten sind Verwandtschafsbeziehungen dann, weil in vielen Fällen der Ehebruch damit zusammen hängt.
Eine Ehe unter Blutsverwandten war zur Zeit der Gesetzgebung nicht nur erlaubt, wenn dies keine bestehende Ehe brechen würde, sondern auch kaum zu umgehen. Die Gesetzgebung fand statt noch vor der Aussendung der Kundschafter nach Kanaan (4. Mose 13,), vor dem zweiten Jahr des Auszuges aus Ägypten (4. Mose 9, 1). Mose, der Empfänger und Verkünder des Gesetzes gehörte selbst erst zur dritten Generation Levis, der einer der 12 Stammväter war (1. Chonik 6, 1-2).

Folgende Verse sind zu beachten
4. Mose 36, 8-9 (Schlachter 2000):Und jede Tochter, die unter den Stämmen der Kinder Israels ein Erbteil besitzt, soll sich mit einem Mann aus dem Geschlecht des Stammes ihres Vaters verheiraten, damit jeder unter den Kindern Israels das Erbteil seiner Väter besitzt, und damit nicht ein Erbteil von einem Stamm zu einem anderen Stamm übergeht, sondern jeder unter den Stämmen der Kinder Israels an seinem Erbteil festhält.

Dies ist keine neue Gesetzgebung, sondern nur eine Erklärung des schon vorher gegebenen Gesetzes. Es war also nur unter besonderen Umständen erlaubt, in die anderen Stämme einzuheiraten, wenn einem kein Familienerbe zuteil wurde. In der erst dritten oder vierten Generation nach den Stammvätern, war es so ziemlich unmöglich, innerhalb des Stammes keinen Blutsverwandten zu heiraten. Und selbst ausserhalb des Stammes wäre es zu der Zeit noch ein Problem geworden.

Erst recht problematisch wird es, wenn wir uns die Umstände angucken, unter welchen Voraussetzungen Israel nach Ägypten zog, um sich dort zu mehren. Es war zur Zeit der Erzväter schon immer verpönt Ehen mit fremden Häusern einzugehen. Abraham wollte nicht, dass Isaak eine Kanaaniterin zur Frau nimmt, und dass er extra zurück in sein Vaterhaus nach Ur zieht, damit er eine Verwandte heiratet (1. Mose 24, 2-4).
Als Israel aber in Ägypten war, konnten sie nicht alle zurück ins Vaterland, denn es war ja die Hungersnot in Kanaan, was ja der Grund für ihren Umzug war. Es blieb ihnen also gar nichts Anderes über, als unter Blutsverwandten zu heiraten. Und das sogar nach einem vorsätzlichen Plan Gottes, wie Joseph ja sagte, dass die Sache mit der Hungersnot so wie seinem hohen Ägyptischen Amt nach Gottes Plan zustande kam (1. Mose 45, 5). Und auch die Bedrückung Israels unter dem späteren Pharao kam nicht ohne Grund, sondern damit zwischen Israel und den Ägyptern eine Absonderung geschieht, und Israel unter sich bliebe und ein einiges Volk werde.

Unter dem Gesichtspunkt eines allgemeinen Inzestverbotes wäre die Geschichte Israels also eine komplette Katastrophe vorsätzlich von Gott verursacht. Ich denke, dass es sich aus diesem Blickwinkel heraus lohnt, das alt hergebrachte Verständnis zu überdenken.

Gruß, Sven
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