jürgen hat geschrieben:
Hallo Emporda,
Zunächst ein Willkommensgruß meinerseits
emporda hat geschrieben:
Die Vielfalt an Regeln ist typisch theologisch, jeder Schreiber glaubt, jeder hat immer absolut Recht, jeder kennt die einzige Wahrheit und ein gemeinsames Konzept fehlt.
Du bist dir ja bewußt, daß Deiner hier vertretenen Ansicht widersprochen wird.
Nun, wie das bei solchen historischen Sachen nunmal ist, sind wir alle ausnahmslos auf die Interpretation der Quellen angewiesen.
Und wenn man nicht vom Fach ist, wie ich , dann noch zusätzlich darauf, welchen der Fachleute man hier vertraut.
Ich bin beispielsweise der Ansicht, daß zur Zeit Jesu weithin hebräisch gesprochen wurde, weil es eine Zeit messianischer Erwartung gewesen ist. Und diese Erwartung war groß im Volk aber sehr eingegrenzt und galt nicht Syrien (aramäisch) oder Rom sondern den Hebräern.
Von den nicht übersetzten Wörtern stehen im Neuen Testament mehr in Hebräisch als in Aramäisch.
Josephus, der aramäisch schrieb, war ein liberaler, römerfreundlicher Jude, er gehörte nie zur Gemeinde Jesu.
Wo stehst Du?
Liebe Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
zur Zeit Jesu wurde so gut wie überall Griechisch geschrieben und gesprochen. Orientalische Kulturen waren immer schon synkretistische Kulturen, auch bedingt durch die Geschichte der Region (viele Kriege, wechselnde Herrscher, Abhängigkeiten, wirtschaftliche Zusammenarbeit). Da der Großteil der Juden im syrischen, ägyptischen und persischen Exil lebte, war griechisch, als "Weltsprache" auch auf religiöser Ebene üblich geworden. Das Hebräische war bereits in den Exil wirren untergangen. Nur einige wenige gebildete hatten noch das Privileg diese alte Sprache zu beherrschen. Im Alltag sprach und schrieb man griechisch und aramäisch. Jesus spricht in der Bibel übrigens auch aramäisch. Siehe hier:
Und er ergriff die Hand des Kindes und sprach zu ihm: Talita kumi!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme und sprach: Eloi, Eloi, lama sabachthani? Das heißt übersetzt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« [c]